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Zum Thema Freies Lernen schreibt DIE WELT vom 5. September 2013 unter anderem:

"Weil es den schlechten Einfluss der Schule fürchtet, unterrichtet ein hessisches Paar Töchter und Söhne zu Hause. Jetzt hat das Jugendamt die vier Kinder aus der Familie genommen."


"Mit 20 Frauen und Männern standen sie in der vergangenen Woche vor der Tür des Hauses in Ober-Ramstadt bei Darmstadt. Sozialarbeiter, Gerichtsvollzieher, bewaffnete Polizisten. Sie hatten einen Rammbock dabei, falls die Wunderlichs die Tür nicht öffnen wollten. Doch Dirk Wunderlich öffnete. Er wusste, was sie wollten. Aber er wusste nicht, dass es so ablaufen würde.

"Die Polizei stieß mich in einen Sessel", berichtete er der "Home School Legal Defense Association" (HSLDA), der US-amerikanischen Bewegung für das Recht auf Hausschulunterricht. Die Beamten hätten ihn daran gehindert, ein Telefongespräch zu führen. Er fühlte sich behandelt – "als wäre ich ein Terrorist".

Dirk Wunderlich steht nicht unter dem Verdacht, ein Terrorist zu sein, ebenso wenig wie seine Frau Petra. Was den Staat gegen das Ehepaar aus der Nähe von Darmstadt so aufbringt, ist etwas anderes: Die Wunderlichs weigern sich seit Jahren, ihre vier Kinder zwischen sieben und 14 Jahren in einer Schule unterrichten zu lassen. Am vergangenen Donnerstag wurden die Kinder von dem 20 Mann starken Team deshalb abgeholt. Seitdem leben sie in einer Jugendhilfeeinrichtung.

Kein altersgemäßes Bildungsniveau Wie konnten es die Eltern so weit kommen lassen? Das streng christlich-religiöse Paar fürchtet, die Söhne und Töchter könnten in einer Schule unter schlechte Einflüsse geraten und unterrichteten ihren Nachwuchs aus diesem Grund selbst, zu Hause. Seit gut acht Jahren gibt es deshalb Streit mit dem Schulamt.

Zwischendurch zog die Familie sogar ins europäische Ausland, um der deutschen Schulpflicht zu entgehen. Aus beruflichen Gründen kam die Familie schließlich zurück. Vor einem Jahr wurde den Eltern per Gerichtsbeschluss das Aufenthaltsbestimmungsrecht entzogen und auf das Jugendamt übertragen. Das Wohl der Kinder galt nach Ansicht des Amtsgerichts Darmstadt als gefährdet, ihr Bildungsniveau als nicht altersgemäß.

Die Wunderlichs zogen dagegen vor das Oberlandesgericht Frankfurt am Main. Das wies die Beschwerde zurück, bestimmte aber, dass die Eltern während der hessischen Schulferien über den Aufenthaltsort der Kinder entscheiden dürften. Während der Schulzeit allerdings blieb das Aufenthaltsbestimmungsrecht beim Jugendamt.

Deutschland als "Schurkenstaat" beschimpft

Das aber musste feststellen, dass die Eltern keinerlei Anstalten machten, die Kinder zur Schule zu schicken. "Die Eltern hatten signalisiert, die Kinder freiwillig nicht herauszugeben und sich auch weiterhin zu weigern, eine Schulpflicht für ihre Kinder zu akzeptieren", so Frank Horneff, Pressesprecher des Landkreises Darmstadt-Dieburg.

Er verteidigt den Gerichtsbeschluss, auf dessen Basis die vier Kinder von der Polizei abgeholt worden waren. "Es geht nicht alleine um die Vermittlung von Bildung, sondern auch um das soziale Miteinander, das Auseinandersetzen mit anderen Ansichten und um das Heranwachsen von Persönlichkeiten in einer Gesellschaft."

Christliche Fundamentalisten in Deutschland und den USA reagierten empört auf die Vorgänge in Ober-Ramstadt. Michael Farris, Gründer der US-Homeschool-Organisation HSLDA, beschimpfte auf seiner Website die Inobhutnahme der vier Wunderlich-Kinder als "ungeheuerliche Tat eines Schurkenstaates."

Schulverweigerer suchen Asyl in den USA Farris' Organisation unterstützt auch die Schulverweigerer-Familie Romeike aus Baden-Württemberg, die mit ihren fünf Kindern 2010 in die USA ausgewandert ist und dort Asyl beantragt hat. Nach vier Jahren hat im vergangenen Mai ein US-amerikanische Gericht den Antrag abgelehnt. Es gäbe kein garantiertes Bleiberecht für Menschen, die in den USA ein Recht genießen könnten, das es in anderen Ländern nicht gibt.

Homeschooling gehört zu den klassischen Elternrechten in den USA. Zwischen einer und zwei Millionen Kinder werden dort von ihren Müttern und Vätern unterrichtet. Vielleicht versuchen es die Wunderlichs auch irgendwann, in den Staaten ihre Vorstellungen umzusetzen.

Jetzt stehen sie erst mal mit ihren Kindern lediglich in Briefkontakt. "Ob und wann die Kinder zu ihren Eltern zurückkommen, ist noch unklar", sagt Frank Horneff. Tatsächlich muss die Familie noch eine Weile warten, bis über ihre eventuelle Zusammenführung entschieden wird."

(Auszüge. Autorin: Claudia Becker, DIE WELT)

Der Kommentar:

Unverhältnismässig? Ich habe lange geglaubt, deutsche Behörden mit Appellen an Verhältnismäßigkeit und ermessensfehlerfreie Entscheidungen zum Einlenken beim Eingriff in Bürgerrechte bewegen zu können. Schließlich ist Freies Lernen im häuslichen Umfeld jahrzehntelange Normalität in allen EU-Mitgliedstaaten - außer in Deutschland und Schweden.

Die Kommentare aus den USA zum Thema erscheinen da angemessener - deren Tenor: Deutschland habe eine Linie überschritten und die Grundlage demokratischer Rechtsstaaten verlassen. Für christliche Flüchtlinge aus Deutschland müsse daher jetzt uneingeschränktes Asylrecht gelten, so mehrere amerikanische Zeitungen.

Wissen hessische Provinzrichter und Dorfsozialarbeiter eigentlich, wie sie dem internationalen Ansehen unseres Landes schaden?

                                                                                                        Stefan Prystawik

Wer das Böse widerspruchslos hinimmt, der unterstützt es in Wirklichkeit.
                                                                     Martin Luther King

           "Recht ist gut, wenn es effizient ist."

   Vladimir Spidla, früherer EU Kommissar und Ministerpräsident der Tschechischen Republik

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